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Inkognito

Ich reise gern inkognito. Das heißt, ich gebe im Hotel meine zwei Buchstaben nicht an (glaube auch, dass das das Zimmer teurer macht) und erwähne nicht, was ich beruflich mache. Für gewöhnlich. Nun bin ich heute in diesem schicken Hotel eingetroffen. Familiär geführt, nicht groß. An der Rezeption ist man sehr freundlich, bringt mich aufs Zimmer. Hier werde ich gefragt, ob man Aktivitäten für die nächsten Tage für mich buchen soll (nebenbei: dies ist ein kleiner Ort, der vom Tourismus lebt). Ich sagte, nein, dake, ich besuche ein Seminar. “Ahhh, das Ärzte-Seminar im Hotel xy!” Wie gesagt, es ist SEHR kleiner Ort. “Äh, ja.” sage ich.

Nachdem ich meine Sachen ausgepackt hatte, musste ich natürlich schnell noch den Sauanbereich in Augenschein nehmen, also Badelatschen angeschnallt und in den Keller gegangen. Was soll ich sagen, ein Traum! Ein Hallenbad (ich mag allerdings kein kaltes Wasser, der Spaß fängt bei mir nicht unter 37°C an), diverse Saunen und ein Whirlpool. Das allerschönste: ich war ganz allein. Meiner Erkältung zuliebe verzichtete ich auf die finnische Sauna, machte nur etwas Dampfbad und zog dann weiter in die Biosauna, die hat ja nur 60°C. Hier hatte ich es mir gerade bequem gemacht, da ging die Tür auf, und herein spazierte Ede, das Familienoberhaupt, dem der Laden gehört. “Ah, die Ärztin!” freute sich Ede und ließ sich auf die Holzplanken fallen. “Sie gehen also auf den Kurs da im Hotel xy!” Meine Tarnung war aufgeflogen.  Ede erzählte mir dann von seinen diversen medizinischen Leiden, wie es halt so ist, wenn man sich zuu erkennen gibt. Erschwerend kam der Umstand hinzu, dass sich meine Erkältung doch jetzt bemerkbar machte. Kann ich sonst als passionierter Eiszapfen auch 100°C ohne mit der Wimper zu zucken ertragen, so fühlte ich mich hier nach 10 Minuten auch bei 60°C doch schon sehr angestrengt. Der Schweiß stand mir auf der Stirn, doch Edes Krankheitsgeschicht war erst bei 1972 angelangt. Demonstrativ hustete ich ein paar Mal – Ede kannte kein Erbrarmen. Minutiös schilderte er mir die Appendektomie 1984 mit Zeigen der dazugehörigen Narbe. Langsam nahm mein Kopf eine puterrote Farbe an. Als wir bei der Wirbelsäulen-OP und nunmehr 20 Minuten Biosauna-Dauer angekommen waren, musste ich einschreiten: “”Ede, das ist alles wahnsinnig interessant, aber mein Immunsystem verträgt jetzt keine weitere Minute mehr in dieser Sauna!” “Na, dann gehen Sie mal, nicht, dass Sie mir noch krank werden! So als Ärztin, meine ich, das wäre ja nicht gut!”
Mit letzter Kraft schleppte ich mich also aus der Sauna und unter die Dusche, wo ich meine Körperkerntemperatur nur mit Mühe wieder auf verträgliche Temperaturen senken konnte.

Das nächste Mal sage ich, ich besuche einer Fachtagung nordirischer Etymologen.

Späte Rache

Vielen lieben Dank für Eure lieben Worte zu dem Notarzteinsatz Mitte der Woche. Rückblickend muss ich sagen, dass ich etwa zwei Tage sehr gedrückter Stimmung war, so langsam geht es schon wieder. Das muss ja auch so sein, sonst könnte man ja nicht weiter arbeiten.

Die Quittung allerdings bekam ich gestern: Fieber, Halsschmerzen, Husten, Schnupfen. So ein mehrstündiger nächtlicher Einsatz bei DEM Wetter rächt sich dann eben (ja, ich hatte meine Jacke und feste Schuhe an, aber trotzdem, es war bitterlich kalt). Heute ist es allerdings schon wieder wesentlich besser.

Ich habe noch ein Woche frei und werde ab Mittwoch einen Kurs zu einem medizinisch relevanten Thema besuchen. Sicherlich gibt es da erheiterndes zu berichten (frei getreu dem Motto. “There is always one.”). Irgendeiner wird sich schon finden, der den gesamten Kurs gegen sich aufbringt, weil er vorab schon alles weiß oder weil er (oder sie) jeden Tag die gleichen blöden Fragen stellen muss. Es würde mich mal interessieren, warum sich in Gruppen immer wieder Leute für die gleichen Rollen finden. Ich weiß allerdings, dass ich das nicht sein werde. Ich sitze für gewöhnlich schweigend in der letzten Reihe und übe mich in sarkastischen Betrachtungsweisen, die ich allerdings in der Regel für mich behalte. Dieses Mal werde ich sie mit Euch teilen.

Nebenbei, und jetzt bitte mal kurz neidisch sein, steige ich in einem  mehrsternigen Welness-Hotel ab. Leider muss ich es selber bezahlen. Ich melde mich dann wieder mit meinem Laptop aus dem Whirlpool :-D

Hab ich mir jetzt aber auch verdient.

Dazu fällt mir keine passende Überschrift ein

Also, das war bislang kein erstrebenswerter Dienst. Es fing noch relativ geruhsam an mit 180 kg, die analgetisch behandelt werdeen wollten. Dann kam nochmal was zur Analgesie, business  as usual also… und zum Nachmittagskaffee nochmal eine hypertensive Krise, die unbedingt nen Doc brauchte.

Darauf folgte am Abend der absolute Alptraum. Meldebild war Verkehrsunfall, Motorrad gegen Autofahrer.  Irgendwie stellte ich mir vor, wir würden da auf zwei aufgebrachte Unfallgegner und ein kaputtes Motorrad treffen. War aber nicht so. Da wir noch in den Untiefen des NEFs nach irgendwas suchten, traf unser RTW etwa zwei Minuten vor uns an der Unfallstraße ein, einer unübersichtlichen Landstraße hinter einer Kurve. Ich war noch nie so schnell aus dem Auto draußen, als ich einen unser Rettungsassistenten schon am Drücken sah. Es bot sich ein wirklich grauenhafter Anblick. Ein junger Mann, der frotal und ungebremst auf einen PKW aufgefahren war. Die Überreste des Motorrads fanden sich in einem Umkreis von 200 Metern. Sogar den Helm hatte es komplett zerborsten. Ich erspare Euch eine Beschreibung des genauen Verletzungsmusters, nur soviel: auf einen Blick war zu erkennen, dass eine Reanimation wohl sinnlos sein würde. Ich bestand aber doch noch auf einen Zugang, denn ich finde, jeder verdient eine Ampulle Supra. Und das meine ich ganz ernst. Intubiert habe ich aber nicht mehr, und in den Gesichtern des Teams konnte ich schon lesen, dass sie auch auf den Zugang verzichtet hätten.

Als wir die Reanimation abgebrochen hatten, suchten ich hektisch in den Überresten der Jacke des jungen Mannes nach Papieren. Irgendwann hatte ich dann seinen Geldbeutel gefunden. Darin lag sein Ausweis. Auf dem Passbild lächelte er. Er war noch viel jünger, als ich auf den ersten Blick gedacht hätte. Da merkte ich auf einmal wie kalt es war und find tatsächlich an zu zittern. Meine weiße Hose war voller Blut und auch meine Jacke sah nicht viel besser aus. Ich bot einen erbärmlichen Anblick, wie ich da zitternd wie Espenlaub und blutverschmiert neben dem armen Kerl stand.

Ich habe die ganze Zeit nur an die Eltern von dem Jungen gedacht. Komisch, oder? Neben unseren Bemühungen stand die Fahrerin des PKWs, am Rande des Nervenzusammenbruchs, neben ihr ihr Sohn, etwa im gleichen Alter wie der Junge unter unseren Händen. Die ganze Zeit dachte ich, irgendwo sitzt jetzt eine Familie, vielleicht gucken sie gerade fern, und sie warten auf ihren Sohn. Sie wissen noch nichts von dem, was da gerade passiert ist, aber in den nächsten Minuten werden sie es erfahren, und ihr Leben wird nie mehr so sein, wie es vorher war. Ich war froh, dass nicht ich diesen Anruf tätigen musste.

Ok, ich will Euch jetzt nicht weiter deprimieren, aber die von Euch, die selbst im Rettungsdienst oder in einer Notaufnahme arbeiten, die kennen das ja, und die wissen auch, dass das einen jedes Mal mitnimmt.  Dass man irgendwo in seinem Kopf so eine Galerie mit herumträgt, mit Bildern von denen, die es nicht geschafft haben. Manchmal frage ich mich, warum ich mir das eigentlich antue.

Interessant war, dass natürlich sofort die Presse zur Stelle war. Ich habe mir die Berichterstattung zu dem Eregnis jetzt mal durchgelesen und bin doch erstaunt, wie es da mit Dichtung und Wahrheit zu geht. Wenige der Fakten waren so richtig akkurat, vom Alter des Opfers bis zum vermuteten Unfallhergang. Ich frage mich, wer die des Nachts auf der Landstraße informiert.

38 Stunden

Wer errät, wo ich gerade bin?

Genau, ich bin in der Provinz und fahre Notarzt. Nicht nur mal für ein paar Stunden, nein, Anna macht keine Weichei-Nummern :-D Ich bin für VOLLE 38 Stunden hier (ja, 38). Ich frage mich, was mich da geritten hat, als ich diesem Wahnsinn zusagte. Naja, habe schon 4 Stunden überlebt, und bislang gab es noch keinen Einsatz. Da ich ja quasi direkt aus dem Nachtdienst komme, ist jetzt gerade meine Prime Time, und ich könnte noch problemlos bis um 3 Uhr durchmachen. Dafür schlafe ich dann morgen wieder bis um 11, aber das interessiert ja keinen, weil mich morgen früh ja keiner ablöst. Es könnte höchtens die Leitstelle interessieren *seufz

Will keep you posted.

Wie eine Tüte Gummibärchen ein Leben rettete

Angeblich gibt es Pflegepersonal, dass keine Nachtdienste mehr mit mir machen möchte, da das “zu anstrengend” sei, weil bei garantiert “immer was los” wäre. Das weise ich entschieden von mir. Auch halten ich es für ein Gerücht, dass immer ich nachts das volle Atemgymnastiksprogramm durchgeführt haben  möchte (“Der muss NIVen!” “Hat er doch gerade.” “Noch mal!”). Irgendwomit muss ich mich ja beschäftigen.

Ratet mal, wer wieder da ist? Löckchen! Ich musste gestern schnell ein Bett räumen (hab das falsche Bett gewählt, wurde ein sofortiger Bounce!), um Löckchen wieder aufzunehmen. Er war auf der Wache mit etwas bläulicher Gesichtsfarbe aufgefallen (“Frau Kollegin, er hat jetzt eine Pneumonie.”). Außerdem hatte man bei der spärlichen Übergabe vergessen zu erwähnen, dass er seit Tagen einen NSTEMI hat, an den sich keiner  so recht ranwagt. Es folgte daher ein böser Rückruf meinerseits (“Herr Kollege, der Patient hat nicht erst jetzt eine Pneumonie, die hat er seit drei Tagen. Was er jetzt hat, das nennt man ein ARDS. Und einen unbehandelten NSTEMI. Fällt Ihnen dazu irgendetwas ein?”). Dafür, dass er schon weit jenseits des 60/60-Clubs war, hat er sich aber noch gut mit mir unterhalten können.

Glaubt Ihr an das Schicksal? Meistens denkt es sich ja besonders perfide Dinge für mich aus, die mich dann nachts (oder tagsüber) nicht schlafen lassen. Ich denke aber, dass es gestern Nacht es einmal gut mit mir meinte. Oder aber mit dem betreffenden Patienten. Mein Kollege Bunny (ja, er wird eben so genannt) hatte ersten Dienst. Es war etwa Mitternacht, als er mir eine Relap brachte. Bunny ist Mitte 50, also ein echt erfahrener Anästhesist und ganz witzig. Jedenfalls lamentierte Bunny herum, er habe den ganzen Tag arbeiten müssen, das habe ihn gestresst, er wolle jetzt was Süßes, ob ich nicht was da hätte.  Ich sagte, klar, Gummibärchen. Ich werkelte noch eine Weile an dem Patienten herum, während Bunny die Kanzel durchwühlte. Irgendwann rief er. “Wo sind denn die Gummibärchen?”  Ich lief zur Kanzel und sagte ihm, dass diese noch in der Umkleide lägen. Ich reichte ihm meinen Schlüssel und meinte, er könne sie gerne holen. Bunny stand etwas unschlüssig in der Gegend herum, gab mir meinen Schlüssel zurück und sagte. “Geh Du doch, ich warte solange hier.” Ich seufzte also und machte mich auf den Weg zur Umkleide, holte die Tüte Gummibärchen und lief wieder den langen Gang zurück. Als ich wieder auf Station ankam, war Bunny verschwunden. “Wo ist Bunny?” fragte ich Pleger Marcus. Der sagte achselzuckend: “Zu den Internisten zum Intubieren.” Nach etwa 20 Minuten kam Bunny zurück. Er erzählte mir, dass kaum, dass ich um die Ecke gebogen war, ein panischer Internist um die Ecke gerannt kam und um Intubationshilfe gebeten habe. Unsere Internisten müssen immer erst selbst  intubieren wollen, und wenn die Herzfrequenz und SaO2 dann bei 30 angelangt sind, kommen sie panisch zu uns, und bitten darum, das mal schnell zu richten. Ist also nix für schwache Nerven. Bunny erzählte, der Patient habe eine schwere Gesichtsmalformation gehabt mit einem sehr bizarr aussehenden Kehlkopf und er habe das nur mit sehr viel Kraft und Geschick bewältigen können. Ich fragte dann noch halb scherzhaft, ob er meint, dass ich das nicht hingekriegt hätte, und er sagte, plötzlich sehr ernst: “Das weiß ich nicht.” In dem Moment wurde mir klar, dass, wäre ich nicht von Station gegangen, ich da hätte hinrennen müssen – und dass Bunny und mich nun mal 25 Jahre Anästhesieerfahrung trennen. So hat, wenn man so will, unter Umständen hier eine Tüte Gummibärchen ein Leben gerettet. Und vielleicht hat es das Schicksal auch einfach gut mit mir gemeint.

Anna zieht’s mal wieder an

die Arbeit, nicht das kleine Schwarze :-D

Ich stecke mal wieder im Nachtdienst fest. Gestern habe ich die erste Runde angetreten. Herr Meyer, herzchirurgsicher Patient, wollte partout nicht wach werden. Reflexartig fühlte ich mich schlecht, suchte den Fehler bei mir und nicht an der HLM, die ja bekanntermaßen die cerebrale Situation nicht fördert. Pünktlich zur Visite hatte ich ihn dann aber wieder hübsch hergerichtet, so dass er seinen Namen sagen konnte. Hat mich etwa vier Stunden gekostet.

Herr Müller wollte unbedingt von mir extubiert werden. Ich tat ihm den Gefallen. Dann brüllte er herum. Ich sagte ihm, er solle ruhig sein. Da find er an zu krampfen und wurde etwas blau. Das war blöd. Zumindest standen wir gerade daneben und konnten die Gesichtsfarbe zügig verbessern. Danach war er wenigstens für eine Stunde still. Dann hatte er sich wieder gefangen und brüllte weiter. Vor der Visite konnte ich ihn noch gut instruieren, so dass er wenigstens während der Visite still war. Das sah dann ganz gut aus. Kaum bogen wir um die Ecke, brüllte er wieder. Nach mir die Sintflut.

Herr Schmidt ist treachotomiert, er soll spontan atmen. Leider ist er auch durchgänging und hat die ganze Zeit am Bettgitter gerüttelt. Ich hatte die Wahl zwischen Schlägen zur Visite, weil der Patient zwar ruhig ist aber beatmet oder ihn gut zu instruieren. Bei dem Versuch, ihm den Sinn der Visite zu erklären, hat er mir unter das T-Shirt gegriffen. Glücklicherweise bekam er nur das kleine Schwarze zu greifen, dass ich immer unter dem modischen Babyblau trage. Ich musste Pfleger Manfred um Hilfe bitten. Dieser machte dann Herrn Schmidt klar, dass er die Ärztin loszulassen habe. Er könne ja wieder an das Bettgitter schlagen. Hat er dann auch gemacht. Wenigstens hat er dabei spontan geatmet.

Frau Schneider wollte nicht mehr leben. Sie riss sich erst die Arterie raus. War ein Versehen, meinte sie. Ich weiß nicht, wie man sicher versehentlich eine angenähte Femoralarterie ziehen kann. Dann zog sie sich den Pulsoxy vom Finger und diskonnektierte sich vom Gerät. Damit hätte sie es fast geschafft. aber auch nur fast. Bei Sr Linda stirbt so schnell keiner. Ich habe ihr dann gut zugeredet, dass das jetzt nichts bringt, und ich sagte ihr in meiner Verzweiflung tatsächlich, dass mir das großen Ärger einbringen kann. Sie hat genickt und mir den Arm getätschelt. Ich hätte fast geheult.

Herr Fischers Gerinnung war etwas derangiert, er blutete aus der frischen Hüft-TEP. Praktischerweise nicht nach außen, wo man es hätte sehen können, sondern immer schön in den eh schon nicht ganz so zarten Oberschenkel. Glücklicherweise kam mir die steigende Herzfrequenz komisch vor, und der plötzliche Anstieg des Katecholaminbedarfs war auch nicht zu übersehen. Also gab es ein paar Tüten rot/gelb aus der Blutbank und ein Ticket für den OP.

Und heute Abend muss ich da schon wieder hin…

Wenn diese Locken nicht locken…

Der Urlaub war leider zu kurz. Nach nur vier Tagen durfte ich wieder zum Spätdienst auf der ITS antreten *seufz.

Ich hatte einen neuen Lieblingspatienten. ich nannte ihn Löckchen. Trotz seines fortgeschrittenen Alters von 70+ hatte er noch wunderschöne, volle Ringellocken. Dazu war er leider dement und bettlägrig, also nicht so wirklich attraktiv, aber er hatte schöne Locken. Eigentlich dachte ich, er bleibt uns noch etwas länger erhalten, nachdem die Chirurgen da fröhlich in die Pneumonie hineinoperiert haben, aber Löckchen hat es gut weggesteckt, und so konnte ich heute seinem vollem Schopfe in Richtung Wache hinterwinken.

Gestern haben Struppi und ichh dann unbedingt eine Pleurapunktion durchführen wollen. Nachdem sowohl Struppi als auch ich auf die arme Pleura mehrfach eingestochen haben, hatte sie ein Loch. Also, die Pleura -und die Lunge dann ja irgendwie auch. Nachdem die Sättigung zunehmend eine tiefere Tonlage annahm hielt ich mal beherzt den Schallkopf drauf und erklärte Struppi, dass ich da jetzt keine Lunge mehr sehe. Struppi meinte, das sei meine Schuld, und ich solle da jetzt gefälligst selbst eine Drainage legen (und zwar schnell). Sprachs und ward nach Hause verschwunden (15.30 Uhr). Ich wurde heute nicht müde mehrfach zu erwähnen, dass ich da nicht allein dran beteiligt war.

Einen weiteren Höhepunkt des Tages stellte die chirurgische Verbandsvisite da. Mein Lieblingschirurg Florian (etwa genauso planlos wie ich, mein chirurgisches Pendent sozusagen) kam mit einer Studentin und erklärte mit großen Worten, was er da tut (genau nichts). Der interessante Part war allerdings das Outfit der Dame. Wir tragen ja immer unmodisches babyblau. Gräßlich. Sie trug eine weiße Hose und ein schwarzes Top mit Spaghettiträgern und schönem Ausschnitt. Sonst nichts. Und so machte sie Verbandsvisite mit Florian. Nachdem es schon ein paar spitze Kommentare seitens meiner Kollegen gegeben hat, fühlte ich mich bemüßigt, einzugreifen. Als die Herrschaften gerade die Station verlassen wollten, fragte ich Florian, ob das denn das neue chirurgische Outfit sei. “Aber das ist doch nur eine Studentin!” entgeegnete er mir. Äh, und? Ich kam mir echt gouvernantenhaft vor, aber ich bat dann tatsächlich das arme Mädchen, sich das nächste Mal bitte eines unserer äußerst kleidsamen blauen T-Shirts anzuziehen (warum soll es ihr auch besser ergehen als uns). Ich glaube, sie hat mich gehasst.

Haare und Käsekuchen

Nach dem Grauen der letzten Nächte habe ich mich angeschlagen in heimatliche Gefilde zurückgezogen und lasse mich von meinen Eltern etwas päppeln. Ich werde mindestens drei Kilo zunehmen, dauern stopft man mir Kuchen, Yoghurts und Obstsalat in den Mund. Außerdem strickt mir meine Mutter mit Hingabe warme Socken, die ich sehr dankbar annehme.

Gestern strich mir meine Mutter liebevoll über das volle Haupthaar und sagte: “Deine Haare sind noch immer schön.” Ich wies meine  Mutter entrüstet auf mein jugendliches Alter hin und die Tatsache, dass meine Haare NATÜRLICH noch schön sind. Das kommentierte sie mit: “Jaja, und grau sind sie auch noch nicht…” Ich bin entsetzt. Jetzt findet mich schon meine Mutter alt. Ich habe mich ja langsam daran gewöhnt, dass mich Teenager prinzipiell siezen und dass mich niemand mehr nach meinem Ausweis fragt, wenn ich eine Flasche Vodka kaufe, aber dass mir bald brüchiges und graues Haar bevorstehen soll, das stimmt mich schon etwas nachdenklich.

Ich werde den Frust mit noch einem Stück Kuchen begegnen. Mamas Käsekuchen ist legendär.

drei Nächte im Schnelldurchlauf

Habe mal wieder ein paar grausame Nächte hinter mir… Ich glaube, die Patienten warten darauf, dass ich Nachtdienst habe, um dann zu dekompensieren, massiv nachzubluten oder überhaupt aufgenommen werden zu müssen. Am Montag habe ich mal wieder offene Flanke gezeigt, drei freie Betten. Die waren natürlich nicht lange frei. Wie die Geier kreisten die Späher der Notaufnahme durch die Gänge, da half es auch nicht, den Telefonstecker zu ziehen. Den ersten Stoß  versetzte uns dann aber die chirurgische Wachstation. Die haben jemanden mit einer etwas zu ambitionierten Vollheparinisierung ins komplette Gerinnungsversagen getrieben (wusste bislang gar nicht, dass sowas geht :-) ) und haben dann recht schnell die Nerven verloren. Also durfte ich den Herren etwas betütteln.

In der nächsten Nacht hat mich ein Ausstieg des Gas-Checks zur Verzweiflung getrieben. Nach 21 Uhr bekam ich auch bei der Service Hotline nur noch die Auskunft, man habe nun mal leider keinen 24-Stunden-Dienst. Ich brüllte dann etwas ins Telefon, das man nicht öffentlich wiederholen sollte, und durfte dann die gesamte Nacht über sehen, wo ich meine Blutgase unterbringe.

Letzte Nacht dann haben wir Sr. Andreas Geburtstag gefeiert. Ich habe so viel Kuchen und Eiscreme gegessen, das ich dann tatsächlich Bauchschmerzen hatte und nur noch mit Mühe die Morgenvisite in Würde hinter mich bringen konnte. Jetzt ist mir noch immer schlecht. Wie kann man nur so viel futtern!  Bin die ganze Zeit schuldbewusst an der Patienten nach Sleeve-Gastrektomie  vorbeigeschlichen…Nebenbei habe ich noch einen Rea-Alarm der Urologen bedient. Für die Intubation einen Kiefer brechen wollte ich allerdings auch nicht, wenn Ihr versteht, was ich meine… Irgendwann muss dann auch mal gut sein.

Kurzes Lebenszeichen

Leider gibt es Probleme mit meinem Blog… Komme irgendwie nicht längerfristig rein… weiß auch nicht, was das ist. Habe schon ausdauernde Gespräche mit dem Kundendienst des Anbieters hinter mir. Ich brauche ja wahrscheinlich gar nicht erzählen, wie das so läuft!

Heute habe ich als einzige Heldentat einer Freundin bei der Suche nach ihrer entlaufenen Katze geholfen. Haben sie nicht gefunden. Dafür bin ich auf dem Gatteis ausgerutscht und habe mir so das Knie angehauen, dass ich die Engelein singen gehört habe. Außerdem habe ich diese Woche schon Ärger gekriegt, weil ich so nen super-privaten Patienten als direkten Turf zu den Internisten geschickt habe UND dem Chef vergessen habe zu sagen, dass die Famulantin sich nen Tag frei nimmt, und man ihr schon fast die Polizei auf den Hals gehetzt hätte (hätte ja passiert sein können, dem armen 32jährigen Kind!).

Ihr seht also, bislang lief’s super.