Juni 4

Time to rant

Ich wurde mal wieder schmerzhaft daran erinnert, warum mir dieser Rippenspreizer-Cartoon so gefällt:

Leitstellenclown_klein

Diejenigen, die selbst im Rettungsdienst arbeiten, werden jetzt wahrscheinlich sehr verständig nicken, wenn ich die nachfolgende Geschichte erzähle…

Also, eigentlich ein Routineeinsatz, eine Patientin mit thorakalen Schmerzen und Luftnot, im 12-Kanal-EKG Erstickungs-T, allerdings ist die Symptomatik schon rückläufig und war an diesem Tag bereits zum zweiten Mal aufgetreten. Bei stabiler Patientin ist nur mäßiggradige Panik angesagt, aber da wir irgendwo im Niemandsland waren, entschlossen wir uns zur Anfahrt in die nächstgrößeren Klinik mit Herzkatheterlabor und telemetrierten das EKG vorab. Anfahrt mit Sondersignal gut eine halbe Stunde, mein Fahrer geht raus und kommuniziert der Leitstelle, dass wir mit Chest Pain nach Klinik Hintertupfingen fahren und gerne den Herzkatheter IM HINTERGRUND wüssten (daher Hintertupfingen, denn die haben einen Herzkatheter und nicht Kleinkleckersdorf, was viel näher wäre, aber im Zweifelsfall nichts bringt). So weit, so gut. Wir machen das übliche Routineprogramm, medizinisch war das jetzt auch relativ unspektakulär, nach etwas MO war die Patientin komplett beschwerdefrei. Im Auto ließ ich mir nochmal die EKGs geben und verglich das EKG bei unserem Eintreffen mit dem, das wir telemetriert hatten – und siehe da, die Veränderungen waren schon deutlich rückläufig. Ehrlich gesagt ist das auch der Fall, den ich zumindest weitaus häufiger erlebt habe als den echten STEMI, der direkt auf dem Herzkathetertisch landet. Zum Glück, muss man ja sagen.

Wir kommen also in der Klinik an und ich mache Übergabe an die Kollegin, die schon bereit steht. Oftmals sind die Ärzte in der Notaufnahme ja etwas wortkarg und ich werde auch meist das Gefühl nicht los, dass sie den Notarzt per se für einen inkompetenten Trottel halten, aber gut. Manchmal kann ich das kann auch nachvollziehen, schließlich kenne ich beide Seiten, weshalb ich immer froh bin, wenn der aufnehmende Kollege selbst Notarzt fährt und einfach weiß, wie es draußen ist. Jedenfalls erzählte mir die Kollegin dort, dass sie etwas verunsichert war, denn das telemetrierte EKG stelle keine Indikation für den Herzkatheter dar, den ich angefordert hatte.

Peinlich. Ich erklärte ihr, was ich wollte und sie musste dann doch etwas lachen. „Das Wort ‚vielleicht‘ ist da anscheinend in der Alarmierungskette verloren gegangen.“, sagte sie schließlich. Kann man wohl sagen. Trotzdem stehe ich nicht gerade wie Gottes Geschenk an die Notfallmedizin da. Sie hatte ihren Hintergrund anrufen müssen und das EKG mit ihm diskutieren. Der sah auch keine Indikation für einen Herzkatheter und dachte sich wahrscheinlich auch, was ist denn da für ein Anfänger unterwegs. Ich entschuldigte mich also mehrfach und suchte zügig das Weite. Meine Nachforschungen, so rudimentär sie auch gewesen sein mögen haben ergeben, dass mein Fahrer das Ganze wie besprochen an die Leitstelle weitergeleitet hat. Kann stimmen oder auch nicht. Auf jeden Fall kam (mal wieder) was ganz anderes in der Klinik an.

Was lernen wir daraus? Das nächste Mal rufe ich wieder persönlich in der Notaufnahme an und lasse mir den zuständigen Kollegen geben. Den Rest der Schicht muss ich wahrscheinlich mit dem Stigma des Trottel-Notarztes, der einen STEMI nicht von einer Asystolie unterscheiden könnte, leben.

Rant over.