März 24

In der Not…

Es ist 21 Uhr. Ein Einsatz irgendwo auf dem Land. Das Meldebild war „Asphyxie“. Ich erwartete das Schlimmste. Unruhig rutschte ich auf dem Beifahrersitz hin und her, während wir uns eine gefühlte Ewigkeit immer verschlungenere Wege ins nirgendwo bahnten, bis wir auf dem hinterletzten Gehöft endlich vom Navi zum Anhalten aufgefordert wurden. Wir rannten in die gute Stube und fanden – Frau Schuster. Siebzig Jahre alt, mit etwas rötlichem Gesicht und etwa drei Urikaria auf der Brust. SaO2 ohne Sauerstoff 98%, sie war in Tränen aufgelöst. Dann erzählte sie uns, dass sie schon seit Jahren an immer wiederkehrenden allergischen Reaktionen litt, wobei der Auslöser völlig unklar sei. Gegen 16 Uhr habe sie einen Anflug bemerkt, Urikaria, Juckreiz und das Gefühl einer Schwellung im Halsbereich. Daraufhin nahm sie gegen 19.30 Uhr Feinstil-Tropfen ein, was die Symptomatik schon wieder verbessert hatte. Aktuell habe sie nur noch ein leichtes Kloßgefühl im Hals.
Diese Geschichte endet in zwei Szenarien. Hier das erste, das entspricht dem, was ich gesagt habe:

„Selbstverständlich fahren wir Sie jetzt mit dieser potentiell lebensbedrohlichen Erkrankung in die nächste Klink. Ich verstehe, dass Sie das nicht wollen, aber Sie haben uns ja sicher nicht ohne Grund angerufen und hier kann ich nicht viel für Sie tun. So lassen Sie uns jetzt unser Equipment einpacken und sie zum Auto geleiten, glücklicherweise brauchen Sie ja noch nicht mal Sauerstoff, und Sie eine halbe Stunde bis in das nächste Krankenhaus fahren. Ach, Sie wollen in eine Spezialklinik? Natürlich, die ist 80 km entfernt, das wird uns die Leitstelle leider nicht erlauben. Ja, ich verstehe, dass Sie lieber da hinwollten als nach Hinterposemuckel ins Wald- und Wiesenkrankenhaus und dass Sie uns nur aus diesem Grund angerufen haben, aber das geht leider wirklich nicht…“

Und hier ist Szenario 2, was ich gerne gesagt hätte: „Sie rufen uns ernsthaft an, weil Sie ein Problem haben, welches Sie selbst schon lösen konnten? Damit wir Sie in eine Spezialklinik fahren? In der Sie weder angemeldet sind noch bekannt, nur weil Sie sich jetzt überlegt haben, das sei doch eine gute Idee, so am Wochenende, spätabends. Und jetzt wollen Sie nicht mal mit? Was glauben Sie eigentlich, was wir hier machen? Der gesamte Landkreis hat jetzt keinen einsatzbereiten Notarzt, weil sie in EINE SPEZIALKLINIK WOLLEN? Sie können jetzt gleich in ihre Spezialklinik laufen – oder wohin auch sonst. Denn ich fahre wieder. gute Nacht!“

Aber wie gesagt, ich blieb natürlich bei Szenario eins…




Verfasst März 24, 2016 von kinomaniac in category "Allgemeines

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