April 17

Auch ich?

Ich kannte mal jemanden. Eine junge Frau. Ich kannte sie nicht sonderlich gut, aber gut genug um gewisse Eckdaten zu kennen. Mitte Dreißig, zwei kleine Kinder im Krippen/ Kindergartenalter, berufstätig, Ärztin wie ich. Dann musste sie sich operieren lassen. An der Herzklappe. An der Mitraklappe, um genau zu sein. Das kann mal passieren, auch bei jungen Menschen. Ich kenne jetzt die Umstände, die bei ihr zur OP führten, nicht. Aber manchmal ist es einfach so, dass diese Klappe schon in jungen Jahren etwas nachgibt. Dass sie insuffizient wird. Dass bei jedem Schlag Blut zurück von der Kammer in den Vorhof läuft. Das kann man erst ganz gut kompensieren, aber irgendwann dann nicht mehr. Dann nimmt auch das Herz Schaden, erweitert sich, pumpt nicht mehr so gut. Das möchte man vermeiden, daher neigt man dazu diese Mitralklappen relativ früh zu operieren. Sobald das Herz anfängt, Schaden zu nehmen, möglichst noch bevor der Patient Symptome der Herzinsuffizienz zeigt. Denn wenn man die Klappe rekonstruieren kann – und das ist oft möglich – gilt man hinterher als herzgesund. Klingt eigentlich gut, oder? Ist nur leider eine große OP, Herz-Lungenmaschine und so. Die Mortalitätsrate liegt bei jungen Patienten unter 1%. Allerdings sind 1% immer noch viel, wenn man zwei kleine Kinder hat.
Diese junge Frau hat den Eingriff nicht überlebt. Mich hat das damals total mitgenommen. Ich fand das schrecklich. Auch hier kenne ich die Umstände nicht genau, aber es war sicher nicht zu erwarten und gerade deshalb einfach nur tragisch.

Ich bin Mitte dreißig. Ich habe zwei kleine Kinder. Ich habe eine mittelgradige Mitrainsuffizienz.
Und seit einem halben Jahr weiß ich, dass ich mich wahrscheinlich irgendwann in den nächsten Jahren an der Mitralklappe operieren lassen muss.

Das war jetzt übrigens das Persönlichste, was Ihr je von mir hören werdet, also macht Euch da mal gleich gar keine Hoffnungen, was die Zukunft angeht 😉 Und bitte keine Mitleidsbekundungen, das ertrage ich echt nur schwer. Man arrangiert sich einfach mit allem, auch mit dieser etwas unglücklichen Perspektive.




Verfasst April 17, 2016 von kinomaniac in category "Allgemeines

4 COMMENTS :

  1. By Cashgirl on

    The same here.
    Nur dass ich keine Mitte dreißig sondern 19 bin. Und keine Kinder hab.
    Des Schicksal der Frau ist tragisch, keine Frage. Da kann man selbst nur hoffen, dass die eigene olle Klappe noch ein Weilchen gut genug ihren Job macht. Und irgendwann heißt es dann halt: Watt mutt, datt mutt.
    Liebe Grüße und ein Lob fürs schöne Blog.

    Antworten
    1. By kinomaniac (Autor) on

      Ja, man vergisst gerne, dass man nicht die einzige ist. Wahrscheinlich ist es auch egal, wie alt man ist, ist immer doof. Ich wünsche Dir jedenfalls auch alles Gute!

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *